Das sind die nachhaltigsten Länder in Europa

Junge Frau kauft in einem Vintage Laden Kleidung ein

Das Interesse an Nachhaltigkeit und einem umweltfreundlichen Lebensstil ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Der Einkauf im Secondhand-Laden ist für viele Kunden in der Welt ein Weg, um Nachhaltigkeit im Alltag zu praktizieren. Doch welche Länder sind am nachhaltigsten und was macht sie besonders?

Um herauszufinden, welche Länder in Sachen Nachhaltigkeit Vorreiter sind, wurden die 30 bevölkerungsreichsten Länder in Europa nach den folgenden Kriterien miteinander verglichen:

  • Sustainable Development Report(SDG Index) – Vergleicht die Länder basierend auf 17 Nachhaltigkeitszielen, beispielsweise Klimaschutz, Vorschriften zur Reduzierung von Emissionen und Förderung von erneuerbaren Energien.
  • Recyclingquote – Anteil des Abfalls, der pro Land recycelt wird.
  • Textil-, Haushalts- und Lebensmittelabfall – Die Menge von Müll, die 2020/2021 von den einzelnen Ländern produziert wurde. Es wurde untersucht, in welchem Land dies in den letzten zehn Jahren am stärksten zurückgegangen ist.
  • Konsum-Fußabdruck – Die Auswirkungen der einzelnen Länder auf die Umwelt und das Klima durch den Verbrauch von Gütern und Dienstleistungen der Bürger. Die Daten zeigen diesen Konsum-Fußabdruck in Punkten pro Kopf.
  • Anzahl an Floh- und Straßenmärkten – Die Anzahl an Floh- und Straßenmärkten sowie Antiquitätenläden, die auf TripAdvisor zu finden sind.

Zusätzlich wurden die größten Verkaufsplattformen für gebrauchte Kleidung in Deutschland, wie zum Beispiel Depop, Vestiaire Collective oder eBay, untersucht. Das Ziel war es, herauszufinden, welche Marken bei nachhaltigen Konsumenten am beliebtesten sind.

Finnland ist das beste Land Europas für nachhaltige Kaufgewohnheiten

Die nachhaltigsten Länder Europas

1. Finnland

Finnland ist Europas nachhaltigstes Land und steht mit 86,51 von 100 möglichen Punkten ganz oben im SDG Index, welcher alle 193 UN-Mitgliedstaaten vergleicht. Das skandinavische Land hat zwischen 2010 und 2020 seinen Konsum-Fußabdruck* um 20,37 % reduziert. Damit liegt Finnland im Ranking aller Länder lediglich hinter Italien (26,03 %), Schweden (21,99 %) und Griechenland (20,75 %).

Allerdings hängt Finnland im Bereich Antiquitätenläden, Floh- und Straßenmärkte zurück. Hier gibt es gerade einmal 53 bei einer Gesamtbevölkerung von 5.540.720. Diese Läden bieten vor allem gebrauchte Schnäppchen an, um so den Lebenszyklus der Textilien zu verlängern und eine zirkuläre Modeindustrie zu fördern.

2. Dänemark

Dänemark ist auf Platz zwei und liegt laut dem SDG Index mit 85,63 Punkten knapp hinter Finnland. 2020 wurde mehr als die Hälfte des produzierten Mülls (53,9 %) wiederverwertet und auch der Konsum-Fußabdruck sank innerhalb von zehn Jahren um 14,26 %. Der Textilmüll ist ebenfalls im Vergleich zu anderen Ländern relativ gering (18.134 Tonnen pro Jahr).

Im Bereich Antiquitätenläden, Floh- und Straßenmärkte steht Dänemark mit 89 besser da als Finnland.

3. Slowenien

Mit ungefähr 34 Kilogramm Müll pro Person pro Jahr hat Slowenien den geringsten Verbrauch von allen europäischen Ländern. Zudem recycelt das Land 59,3 % des gesamten Mülls. Zwischen 2010 und 2020 hat sich der Konsum-Fußabdruck um 1,85 % reduziert (von 1,64 auf 1,61 Punkte pro Kopf). Dennoch hat Slowenien mit gerade einmal neun Stück das fünftniedrigste Angebot an Floh- und Straßenmärkten sowie Antiquitätenläden.

4. Österreich

Mit 39 Kilogramm Haushaltsmüll pro Person pro Jahr liegt Österreich fast gleichauf mit Slowenien. 58,2 % des Mülls werden wiederverwertet und auch der Konsum-Fußabdruck ist zwischen 2010 und 2020 um 8,89 % von 1,88 auf 1,72 zurückgegangen.

5. Schweden

Schweden, das Heimatland beliebter Modemarken wie H&M, Fjällräven und Peak Performance, belegt den fünften Platz mit 85,19 von 100 Punkten im SDG Index. Das skandinavische Land produziert zudem nur 8.646 Tonnen Textilmüll pro Jahr, was im europäischen Vergleich relativ wenig ist.

Schweden hat außerdem seinen Konsum-Fußabdruck um 21,99 % von 2,17 auf 1,74 verringert. Nach Italien gilt Schweden als zweitbestes Land bei der Reduzierung des Konsum-Fußabdrucks.

6. Vereinigtes Königreich

Das Vereinigte Königreich belegt den sechsten Platz der nachhaltigsten Konsumenten. Das Land hat mit 1.292 Floh- und Straßenmärkten für seine knapp 68 Millionen Einwohner die höchste Anzahl von allen untersuchten Ländern. Mit 80,55 Punkten belegt die Inselnation Platz 11 im SDG Index. Zudem wird fast die Hälfte des Mülls (42,9 %) recycelt. Der Grund für die niedrige Gesamtpunktzahl ist die hohe Menge von Textilmüll, die jährlich durch die Briten produziert wird (209.545 Tonnen). Damit liefert sich das Land ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Italien, Deutschland und Frankreich.

Deutschland belegt den 10. Platz im Ranking

Deutschland rundet das Top 10 Ranking ab. Obwohl Deutschland die höchste Recyclingquote aller untersuchten Länder hat (67,1 %), ist es mit knapp 400.000 Tonnen pro Jahr das zweitschlechteste Land für Textilabfall. Lediglich Italien übertrifft Deutschland mit 465.925 Tonnen. Untersucht man jedoch die Google-Suchanfragen der Deutschen, kann man ein Interesse für nachhaltiges Einkaufen erkennen. Pro Monat werden über 35.000 Suchanfragen für Begriffe wie „Secondhand-Kleidung" oder „Unverpackt-Laden" gestellt. Das Vereinigte Königreich belegt hier den ersten Platz mit durchschnittlich über 400.000 Suchanfragen pro Monat.

Malta ist das am wenigsten nachhaltige Land Europas

Auf der Kehrseite sind Malta, Irland und Griechenland die am wenigsten nachhaltigen Länder in Europa, gefolgt von Luxemburg und Rumänien.

Die am wenigsten nachhaltigste Länder Europas

1. Malta

Von allen untersuchten Ländern wird in Malta mit 10,5 % am wenigsten Müll recycelt. Im SDG Index belegt Malta mit 76,77 Punkten den 33. Platz. Ein weiterer Grund dafür sind die wenigen Floh- und Straßenmärkte, die es auf der Insel gibt.

Obwohl Malta 129 Kilogramm pro Person pro Jahr an Haushaltsmüll produziert, ist der Textilmüll mit 568 Tonnen pro Jahr einer der niedrigsten von allen Ländern. Das kann auf die geringe Bevölkerungsdichte (441.543) zurückgeführt werden.

2. Irland

Irland hat seinen Konsum-Fußabdruck zwischen 2010 und 2020 um zwei Fünftel (42,86 %) erhöht. Das ist der höchste Anteil von allen ausgewerteten Ländern. Dies überrascht wenig, denn Irland ist auch das Geburtsland von Primark, einer Fast Fashion Marke, die für ihre wenig nachhaltigen Methoden bekannt ist.

3. Griechenland

Obwohl Griechenland seinen Konsum-Fußabdruck zwischen 2010 und 2020 um 20,75 % reduziert hat und auch vergleichsweise wenig Textilmüll (1.268 Tonnen) produziert, landet das Land auf Platz drei der am wenigsten nachhaltigen Länder. Der Grund dafür sind die überdurchschnittliche Menge an Haushaltsmüll (142 Kilogramm pro Person pro Jahr) und die wenigen Antiquitätenläden, Floh- und Straßenmärkte, die das Land bietet (53 Stück).

Die nachhaltigsten Städte in Deutschland

Wie bereits erwähnt, ist in Deutschland ein großes Interesse am Thema Nachhaltigkeit zu erkennen. Savoo hat die monatlichen Google-Suchanfragen der 20 bevölkerungsreichsten Städte in Deutschland untersucht. Hierzu wurden Begriffe wie „Secondhand-Kleidung", „Flohmarkt", „Nachhaltig Einkaufen" und „Gebrauchte Möbel" pro 100.000 Einwohner analysiert.

Die nachhaltigsten Städte Deutschlands

Es ist kaum überraschend, dass Berlin den ersten Platz der deutschen Bürger mit dem größten Interesse an Nachhaltigkeit belegt. Pro 100.000 Einwohner werden die meisten Google-Suchanfragen pro Monat nach den verschiedenen Begriffen gestellt. Am meisten interessieren sich Berliner jedoch für Flohmärkte, denn pro Monat wird über 600 Mal pro 100.000 Einwohner danach gegoogelt. Humana ist bekanntlich einer der beliebtesten Secondhand-Läden, monatlich werden hierzu in Berlin über 27.000 Google-Suchanfragen gestellt.

Auf dem zweiten Platz liegt Stuttgart. Mit einer Gesamtpunktzahl von 6,78 liegt Stuttgart fast gleichauf mit der Hauptstadt (6,98). Stuttgart hat jedoch fast viermal so viele Suchanfragen zu Unverpackt-Läden (72 pro 100.000 Einwohner) wie Berlin und ist damit von allen untersuchten Städten Spitzenreiter.

Mit einer Gesamtpunktzahl von 5,37 belegt Frankfurt am Main den dritten Platz. Die Stadt hat besonders viele Google-Suchanfragen zu spezifischen Wohltätigkeitsorganisationen und liegt damit von allen Städten auf Platz zwei. Die Stadt kann auch in Sachen Flohmärkte mit 580 Suchanfragen pro 100.000 Einwohner mit Berlin und Stuttgart mithalten.

Zara ist die beliebteste Secondhand-Marke

In den letzten Jahren gab es einen starken Zuwachs an Verkaufsplattformen für alte Kleidung. Dort finden die Benutzer neben Vintage-Mode oft auch begehrte Teile der aktuellen Saison, welche schon ausverkauft sind.

Savoo hat daher die Angebote 30 beliebter Marken auf Depop, eBay, Vestiaire Collective und ASOS Marketplace analysiert, um herauszufinden, welche am beliebtesten sind.

Die beliebtesten Secondhand-Marken

Das Ergebnis zeigt, dass Zara als beliebteste Secondhand-Marke gilt. Insgesamt gibt es über 670.000 gelistete Produkte auf allen Plattformen, wobei Depop über die meisten Artikel verfügt (439.696).

Nike belegt den zweiten Platz mit über 7.447 gelisteten Secondhand-Produkten auf ASOS Marketplace.

An dritter Stelle kommt die beliebte Sportmarke adidas, mit insgesamt 467.022 Produkten auf allen vier Plattformen.

Die Fast-Fashion-Marke H&M folgt auf Platz vier. Aktuell gibt es 238.677 verfügbare Produkte auf Depop. Damit ist H&M insgesamt die fünftbeliebteste Secondhand-Marke auf der Plattform.

An fünfter Stelle steht die amerikanische Unterwäschemarke Victoria’s Secret mit insgesamt 372.291 Angeboten auf allen vier Resale-Plattformen.

Tipps, wie man nachhaltig UND günstig einkaufen kann

Nachhaltig einkaufen kann sich positiv auf unseren Planeten auswirken und muss auch gar nicht teuer sein. Das sind Savoos Tipps für einen nachhaltigeren Konsum:

  • 30 Mal tragen als Maßstab nutzen. Das nächste Mal, wenn Sie neue Kleidung kaufen, fragen Sie sich, ob Sie das Teil mindestens 30 Mal anziehen würden, bevor es entsorgt wird. Das hilft, den Textilmüll zu reduzieren, und schont außerdem den Geldbeutel.
  • Neue Kleidung muss nicht neu sein. Das Einkaufen gehört zu den schönsten Sünden im Leben und das Gefühl, ein neues Kleidungsstück anzuziehen, wollen wir nicht missen. Doch das bedeutet nicht, dass es brandneu sein muss. Man kann trotzdem eine gute Qualität für kleines Geld bekommen, indem man Plattformen wie Vinted oder Depop benutzt. Zudem lohnt es sich, zusätzlich online nach Rabattcodes zu suchen, um den Preis noch weiter zu senken.
  • Lernen Sie, Kleidung zu reparieren. Ist Ihr erster Gedanke bei einem Loch in Ihrem Pullover, ihn wegzuschmeißen und einen neuen zu kaufen? Warum nicht selber Hand anlegen? Auf YouTube sind viele Tutorials zu finden und, wenn Hilfe benötigt wird, kann man sich auch an einen Schneider wenden.

Anmerkung: Zur besseren Lesbarkeit von Personenbezeichnungen & personenbezogenen Wörtern wird die männliche Form genutzt. Diese Begriffe gelten für alle Geschlechter.

Methodik

Um zu ermitteln, welche Länder am nachhaltigsten sind, haben wir 30 Länder anhand von acht Kriterien miteinander verglichen. Diese beinhalten den Sustainable Development Report, die Recyclingquote, den Konsum-Fußabdruck, die Anzahl der Flohmärkte und die Anzahl an Textil-, Haushalts- und Lebensmittelabfällen. Die Länder wurden in jedem Kriterium bewertet und in eine Rangfolge gebracht. In der Bewertung jedes Kriteriums waren maximal zehn Punkte zu erreichen. Diese Punktzahlen wurden zusammengerechnet, um einen Index zu erstellen und herauszufinden, welche Länder am nachhaltigsten sind.

Die Studie untersuchte ebenfalls die Google-Suchanfragen, die mit dem Thema Nachhaltigkeit in Verbindung stehen.

Um herauszufinden, welche Marken bei Secondhand-Käufen besonders beliebt sind, haben wir die Anzahl an Angeboten von 30 beliebten Marken auf vier verschiedenen Secondhand-Plattformen (Depop, ASOS Marketplace, Ebay und Vestiaire Collective) miteinander verglichen. Die Marken wurden in einzelnen Kriterien bewertet und in eine Rangfolge gebracht und konnten in der Bewertung bis zu zehn Punkte holen.

*Der Konsum-Fußabdruck eines Landes bezieht sich auf die Größe der Fläche, die für die Produktion der verbrauchten Materialien benötigt wird, zusammen mit der Fläche, welche für die Abfälle benötigt wird.